Foto: นิธิ วีระสันติ auf pixabay.com

Wesentliche Ergebnisse einer Befragung touristischer Leistungsanbieter in Deutschland veröffentlicht
Wolfsburg/Salzgitter (WB/Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Hochschulentwicklung und Kommunikation) - Die Tourismuswirtschaft in Deutschland ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. In einer Befragung des Instituts für Tourismus- und Regionalforschung der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften über die Auswirkungen der Krise auf die Touristik in Deutschland wurden die zum Teil existenzbedrohenden wirtschaftlichen Folgen deutlich.

„Vier von fünf der befragten Touristikunternehmen haben maximal ein finanzielles Polster bis zum Sommer und sehen sich ernsthaft in ihrer Existenz bedroht“, sagt Prof. Dr. Ernst-Otto Thiesing, der die Unternehmen in der Zeit vom 9. bis 24. April 2020 befragt hat. „Zwar wurden die staatlichen Unterstützungen von der Branche insgesamt positiv gesehen, jedoch bleibt es fraglich, ob der Umfang der Hilfen für die Tourismuswirtschaft ausreicht“, so Thiesing. Die wesentlichen Ergebnisse der Befragung wurden jetzt im Internet veröffentlicht: www.ostfalia.de/presseZusammenfassung wesentlicher Ergebnisse einer Befragung touristischer Leistungsanbieter in Deutschland

Das Institut für Tourismus- und Regionalforschung der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften hat in der Zeit vom 09.04.2020 bis 24.04.2020 973 touristische Leistungsanbieter in Deutschland nach ihrer Einschätzung der Folgen der Corona-Pandemie auf die Tourismuswirtschaft befragt. Die Aussagen haben eine Genauigkeit von > 95 % (Signifikanzniveau) bei einer Fehlertoleranz von < 5 %.

Die Befragung brachte folgende wichtigste Ergebnisse hervor:

87% der Unternehmen halten die Corona-Pandemie für sehr oder ziemlich schwerwiegend,
nur 13 % für nicht oder überhaupt nicht schwerwiegend. Demzufolge ist die Akzeptanz der Gegenmaßnahmen sehr hoch: nur 11 % halten die von Bundes- und Landesregierungen ergriffenen Maßnahmen für überwiegend oder völlig unangemessen
Bei der Frage nach der Vorrangigkeit von Gesundheit vor Belangen der Wirtschaft wird der Konflikt dieser beiden Zielsetzungen auch in der Tourismuswirtschaft deutlich.
Ein Großteil der touristischen Unternehmen hat nicht vor Anfang März Maßnahmen gegen die Krise eingeleitet.
Die Gegenmaßnahmen beziehen sich schwerpunktmäßig auf Kostenanpassungen, wobei Entlassungen von Personal bei der Mehrzahl als kein probates Mittel abgelehnt wird. Auch neue technische Lösungen oder die Umstellung des Geschäftsmodells wird von einer Mehrheit nicht als zielführend angesehen. Auch Maßnahmen auf der Kapitalseite (Kapitaleinlagen aus dem Privatvermögen, Aufnahme neuer Kredite) werden überwiegend nicht ergriffen; lediglich staatliche Zuschüsse wurden von knapp 2/3 der Unternehmen beantragt oder sind konkret geplant. Hygienemaßnahmen oder weitere Intensivierung der Sauberkeit werden ebenfalls als Gegenmaßnahen eingesetzt.
Die finanziellen Hilfen des Staates wurden bereits überwiegend beantragt; die Beantragung selbst wird auch als nicht zu schwierig eingeschätzt. Die Höhe jedoch wird eher als zu niedrig empfunden. Die Möglichkeit der Einstellungen von Mietzahlungen und der Aussetzung des Kapitaldienstes gegenüber Banken werden mehrheitlich nicht in Anspruch genommen.
60% der Touristikunternehmen erwarten, dass die Corona-Krise bis in den Herbst oder darüber hinaus andauern wird. Infolgedessen wird auch erwartet, dass der Geschäftsbetrieb erst in mehr als 3 Monaten wieder anlaufen wird.
Nur knapp 20 % können die Krise wirtschaftlich über den Sommer hinaus durchstehen; gut ein Drittel der Unternehmen hat Reserven für 1 bis 2 Monate.
Trotz gravierender wirtschaftlicher Schwierigkeiten – auch auf der persönlichen Ebene – ist für die meisten Touristiker eine berufliche Neuorientierung oder das Verlassen der Branche keine wahrscheinliche Option, ebenso wenig wie sie eine(Privat-)Insolvenz für wahrscheinlich halten.
Nach der Überwindung der der Corona-Pandemie erwarten die Touristiker, dass sich der Deutschlandtourismus schneller erholt als der Auslandstourismus. Die Branche und das Reiseverhalten der Touristen werden sich grundlegend verändern; die Notwendigkeit zur Veränderung des eigenen Unternehmens nach der Krise wird jedoch deutlich geringer eingeschätzt.