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Wolfsburg (WB/resch) - Unsere Freiheit wurde im vergangenen Jahr 2019 wieder und wieder thematisiert: SUV fahren ist ganz übel und kommt gleich nach dem Fleisch essen auf den 2. Platz der Liste der absoluten No-Gos. Fliegen ist grottenschlecht und Kreuzfahrer sind das Allerletzte auf unserem klimagebeutelten Planeten. Diese Liste lässt sich problemlos und fast endlos erweitern. Wer legt eigentlich fest, was man darf und was man nicht darf?

Wenn wir über Freiheit sprechen, dann gilt doch wohl nach wie vor: Persönliche Freiheit muss an der Stelle enden, wo die Freiheiten anderer einschränkt werden. Schon Rosa Luxemburg sagte einst:„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ Eigentlich völlig einleuchtend. Doch in vielen der unendlichen Debatten verschwimmen die Grenzen.
Selbst Ökonomen, Unternehmer und Banker sehen den Markt- oder Wirtschaftsliberalismus nicht mehr unbedingt als wirkungsvoll funktionierend. Der gesellschaftliche Liberalismus, welcher die Idee eines individuellen Rechts auf Freiheit und Gleichheit beinhaltet, ist auf dem besten Weg dazu, einen veritablen Keil in unsere Gesellschaft zu treiben. Auch Meinungsfreiheit muss Regeln folgen und Grenzen akzeptieren!

Was ist eigentlich Freiheit? Abwesenheit staatlicher Kontrolle? Autonomie jedes Einzelnen? Welche Wünsche muss ein Mensch realisieren können, um wirklich frei zu sein? Wo ich Rechte in Anspruch nehme, entstehen da nicht zwangsläufig auch Pflichten? Freiheit realisiert sich doch erst in Beziehungen. Im ganz konkreten Verhältnis des Einzelnen zu anderen Menschen und zu dem Staat in dem er, seine Familie, seine Freunde leben.

In der Nachhaltigkeitsdebatte die derzeit von enormer Bedeutung zu sein scheint, wird sich der Freiheitswert zwischen legitimen Wünschen des Einzelnen und der Wahrnehmung eben dieser Wünsche als Ärgernis oder Hindernis für die Gesellschaft einpendeln und anpassen müssen. Ein Kampf unter dem Titel: „Individuelle Autonomie versus Gemeinwohl“.

Nun ist ja der Wunsch nach einem Auto mit möglichst vielen PS, die dann eben auch entsprechend viele Abgase ausstoßen, nicht per sé ein Grundbedürfnis der Menschheit wie Wohnen, Ernährung oder Bildung. Doch ob das Fahren eines SUV die Freiheit aller NichtSUVFahrer gravierend einschränkt bliebe erst mal offen.
Seit „Fridays for futur“ wuchs das Bewusstsein für den drohenden Klimakollaps ganz enorm. In der öffentlichen Wahrnehmung wie auch in der Politik verändern sich die Bewertungen – und das erleichtert die Sache mit der Freiheit wahrhaftig nicht.
Die Forderung, die Freiheit eines jeden dürfe nur so weit reichen, dass sie die Freiheiten anderer nicht einschränkt, gilt auch für unsere Zukunft.

Wie müsste denn ein Ausgleich der Freiheit des Einzelnen gegen die Freiheit der Gemeinschaft aussehen? Gibt es einen Interessenausgleich, der intuitiv als gerecht empfunden wird? Ich beschränke mich im Einzelnen, im Gegenzug beschränken sich auch die anderen, die Gemeinschaft. Dabei würde die Verhältnismäßigkeit sicher ein große Rolle spielen Je größer die Freiheitseinschränkung für die Zukunft ausfällt, desto weniger Bedeutung erhält der eigene Verzicht.

Auch wenn alle Landsleute sofort Vegetarier würden, blieben die Einsparungen beim CO2-Ausstoß im einstelligen Prozentbereich. Solange Kohle verfeuert wird und schlecht gedämmte Häuser die Heizenergie in die Atmosphäre entlassen und diese zusätzlich aufheizen, müssen wir überall wo es geht Veränderungen vornehmen.
Die Freiheit des Kreuzfahrers ist eine marketinggemachte Illusion. Menschen liegen sich glückselig verzückt in den Armen und schauen versonnen aufs Meer, dazu gibt es einen Sundowner. Wir wissen alle, das diese Bilder Gaukelei sind und dennoch wecken sie den Wunsch in uns genau so verzückt-versonnen mit prickelndem Getränk in der Hand die schönste Zeit des Jahres zu verbringen. Wir suchen vielleicht einen Ausgleich, indem wir ganz bewusst absolute Gegensätze erreichen wollen: Im Alltag unterliegen wir permanenten Zwängen – im Urlaub bin ich der Boss, lasse mich verwöhnen und mache einfach nur das worauf ich genau in dem Moment Lust habe.
Dieses Ausbrechen aus dem Alltag wird in unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft unterschiedlich ausgeprägt sein, aber Fakt ist: Der Wunsch nach „Ausbruch“ besteht bei fast allen Menschen.

Werden wir nun durch eine stringente Klimapolitik definitiv unfreier, weil wir diese „Ausbrüche“ minimieren oder in andere Bahnen lenken müssen? Wird es am Ende des Tages nicht so sein, dass wir ganz unbedingt Dinge ändern müssen, die auch mit Verzicht einhergehen. Ein gangbarer Weg sollte sich doch in der Form bieten, dass wir unseren Einsichten Taten folgen lassen. Auch dann wenn es schwer fällt. Wenn wir diesen Prozess mit Vernunft und Augenmaß angehen, müssen wir deshalb heute nicht leiden. Gleichzeitig bietet sich unseren Kindern und Enkeln dennoch die Möglichkeit genau so gut wie heute oder noch besser leben zu können. Dieses Ziel sollte uns Einschränkungen gerne hinnehmen lassen. Und abschließend der Versuch der Beantwortung der eingangs gestellten Frage: Wir alle - unsere Gesellschaft - wir müssen festlegen was man darf und was man nicht darf. Und diese Regeln müssen von allen eingehalten werden, dann kann er gelingen, der Plan von einer lebenswerten Welt.