Detlef Huhnholt, stellvertretende Vorsitzender des Behindertenbeirates Wolfsburg / Foto: Behindertenbeirat Wolfsburg

Auch in Fallerleben gilt die UN-Behindertenrechtskonvention
Wolfsburg (WB/Behindertenbeirat Wolfsburg) - Die Diskussionen und Ideen zur Schaffung der Barrierefreiheit des Fallerlebener Schlosses veranlassen den Behindertenbeirat Wolfsburg e.V. zu einer Stellungnahme.

Detlef Huhnholt, stellvertretende Vorsitzender des Behindertenbeirates Wolfsburg e.V.: „Die UN-Konvention fordert Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Inklusion ist ein Menschenrecht. Sie beinhaltet aber auch die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden und das Schloss Fallersleben ist in allen Etagen ein öffentliches Gebäude. Hierzu gehört unter anderem auch das Trauzimmer und die Gemälde-Galerie, die sich in der oberen Etage befindet.“
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung wurde Ende 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet und trat 2008 in Kraft. Am 26. März 2009 trat sie dann auch in Deutschland in Kraft.
Die Konvention unterstreicht einen Paradigmenwechsel: Eine Beeinträchtigung stellt nicht ein Defizit oder eine Abweichung dar, sondern ist Teil der Vielfalt menschlichen Lebens. Die eigentliche Behinderung entsteht aus dem Zusammenspiel von individueller Beeinträchtigung und äußeren Gegebenheiten, die dieser Person eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert oder unmöglich macht.
Sabine Hössel, beratendes Mitglied im Bauausschuss: „Ich als Rollstuhlfahrerin bin davon abhängig, dass die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden für alle Räume gilt. Es kann beispielsweise nicht sein, dass es in der Zukunft z.B. einen Mitarbeiter im Schloss geben könnte, der keinen Zugang zu allen Etagen hat. Auch das wäre ein Verstoß gegen die Menschenrechte, z.B. ein rollstuhlfahrender Standesbeamter oder Standesbeamtin, der die Aufgabe im Schloss Fallersleben verweigert würde wegen der nichtvorhandenen Barrierefreiheit. Das wäre dann diskriminierend. Auch das Tragen eines Menschen mit Beeinträchtigung, weil im oberen Bereich das Trauzimmer wegen einer Trauung besucht werden sollte, wäre schon eine Diskriminierung, ich gehe deshalb auch im Ortsrat Fallersleben-Sülfeld von einer Diskussion aus, die alles abwägt, bei der aber am Ende das
Menschenrecht, keine Diskriminierung und die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben, so wie es auch die UN-Behindertenrechtskonvention vorschreibt.“
Detlef Huhnholt: „Die niedersächsische Bauordnung sieht bei öffentlichen Gebäuden, wie Museen und Galerien die Barrierefreiheit vor und wenn man dies nun am Schloss Fallersleben umsetzen möchte, dann geht das nicht mit einem barrierearmen Zugang in die erste Etage, sondern nur barrierefrei zu allen Etagen.
Aus Sicht des Behindertenbeirates kann der barrierefreie Zugang zu allen Etagen nur über einen Außenaufzug gewährleistet werden. Damit wäre dann auch das Recht von Menschen im Rollstuhl oder anderer körperlichen Einschränkungen gewährleistet.
Der Behindertenbeirat Wolfsburg e.V. fordert dies nicht von Politik und Verwaltung, sondern setzt voraus, dass gewählte Politiker die Rechte aller Menschen in ihrer Kommune bei ihren Entscheidungen beachten und unterstützen, um Ausgrenzung und Diskriminierung zu verhindern.
Neben den Menschen mit Beeinträchtigungen werden aufgrund der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft immer mehr ältere Menschen auf die Einhaltung von Barrierefreiheit angewiesen sein und deshalb muss auch in der aktuellen Diskussion die zu treffende Entscheidung zukunftsorientiert sein.
Detlef Huhnholt findet die Diskussion im Ortsrat Fallersleben-Sülfeld zur Barrierefreiheit am Schloss Fallersleben wichtig, um auch nochmal darauf aufmerksam zu machen, dass es keine Abwägung zwischen Barrierefreiheit und Denkmalschutz geben kann, sondern das Menschenrecht immer im Vordergrund steht.
„Der Behindertenbeirat Wolfsburg e.V. vertritt die Interessen aller Menschen mit Behinderungen im Raum Wolfsburg. Er ist ein Zusammenschluss zahlreicher Vereine, Gruppen und Einzelpersonen, die für die Belange behinderter Menschen eintreten und trägt zu einem neuen Miteinander bei. Wir wollen die Barrieren in den Köpfen der Menschen abbauen, um einen Umgang zu verwirklichen, der geprägt ist von Einfühlung, Toleranz und gegenseitigem Respekt“, so Detlef Huhnholt zusammenfassend.