Foto: Ann-Linn Zachow

Kirchenkreisdelegierte waren zu Gast in der Mekane-Jesus Kirche in Äthiopien
Wolfsburg (WB/Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen) - Sieben Delegierte unseres Kirchenkreises waren im Januar zu Gast in Äthiopien, bei der Süd-Zentral-Synode der Mekane Jesus Kirche. Eine evangelische Kirche, die 1959 gegründet wurde und in ihren Ursprüngen auf die Missionsarbeit von Amerikanern, Finnen und Deutschen zurückgeht.

Peter Placke, Pastor in Hehlingen und Vorsitzender des Partnerschafts- und Missionsausschusses im Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen, hat zehn Jahre für die Süd-Zentral-Synode gearbeitet. „Als ich 2003 nach Deutschland zurückkam, hatte die Süd-Zentral-Synode 1,5 Millionen Mitglieder, heute sind es 10 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von 100 Millionen Menschen“, erklärt Placke den enormen Wachstum dieser evangelischen Kirche, einer der weltweit am stärksten wachsenden lutherischen Kirchen.

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Foto: Ann Linn Zachow

 

„Dort sind die Kirchen voll von Spiritualität!“, freut sich Placke und wünscht sich, dass auch wir hier in Deutschland davon ein gutes Stück wiederfinden. „Unsere Kirchenpartnerschaft ist auch dazu gedacht, dass wir über unseren Tellerrand schauen und die Verbundenheit im gemeinsamen Glauben erkennen.“ Der Besuch in Äthiopien habe bei ihm Dankbarkeit ausgelöst. „Wir sind auf vielen Ebenen satt, vielleicht fragen wir deshalb nicht mehr nach Gott?“
Dankbarkeit ist ein Thema, dass auch Ann-Linn bewegt. „Abends in ein sauberes Bett zu gehen, ist toll. Und keine Spinnen im Zimmer zu haben auch“, findet die 15-jährige Gymnasiastin. Gemeinsam mit ihrer Großmutter Anne Zachow, die stellvertretende Vorsitzende der Kirchenkreissynode ist, war sie als Delegierte in Äthiopien. „Den Menschen dort geht es nicht so gut wie uns, vielleicht glauben sie deshalb. Ich kann mich auf meine Eltern und deren Jobs verlassen.“
„Not lehrt beten, da ist schon was dran“, führt Anne Zachow die Überlegung ihrer Enkelin weiter. Jeder dritte Mensch in Äthiopien lebt unterhalb der absoluten Armutsgrenze. „Drei Mahlzeiten am Tag sind keine Selbstverständlichkeit.“ Es brauche Bildung – und Frauen, meint Zachow, die auch für die Bingo-Stiftung seit vielen Jahren im Bereich der Entwicklungshilfe engagiert ist. „Ich bin keine Emanze, aber ohne Frauen läuft nichts in der Entwicklungshilfe.“ Damit steht sie nicht allein, auch Initiativen, die Mikrokredite vergeben, wissen das.

„Ich möchte, dass etwas Gutes wächst für unser Partnerschaftsland, auch wenn wir dort keine großen Projekte durchführen können.“ Eine Theologiestudentin unterstützt der Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen zurzeit. „Wir möchten gern ein zweites Stipendium für eine Studentin vergeben, das werden wir weiter diskutieren und nach Möglichkeiten dafür suchen.“ Es brauche vor allem weibliche Seelsorgerinnen in der Mekane-Jesus-Kirche. „Nach wie vor gibt es weibliche Genitalverstümmelung, Gleichberechtigung ist nicht wie bei uns gesetzlich verankert. Frauen haben keine Chancen, sich zu entfalten.“
Auch Peter Placke möchte die Frauen fördern. „Sie predigen anders als Männer, femininer Geist ist positiv.“ Die Mekane-Jesus-Kirche ordiniert Frauen, die Gemeinden schicken geeignete Kandidatinnen sogar ins Studium, wenn sie sich das leisten können. „Die Gemeinden dort wachsen aus dem Boden, wenn die Kirche zu voll wird, bauen sie die nächste. Hier muss ich meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden überhaupt erst mal wieder beibringen, zu beten und zu singen.“ Gottvertrauen fehle uns und sei dort an der Tagesordnung. „Die neue Kirche soll 8 Millionen Birr kosten, 200tausend sind zusammen, dann fangen sie an zu bauen. Wir würden doch sagen: Das geht nicht!“ Dass es vielleicht doch gehen kann, macht der Theologe mit seiner eigenen Biografie deutlich. „Ich wollte die Liebe Gottes predigen und hatte nicht mal einen Hauptabschluss.“ Sein Umfeld reagierte mit Unverständnis, er werde sich noch umgucken, hieß es damals. „Und, was bin ich geworden? Pastor.“
Text: Frauke Josuweit / Öffentlichkeitsbeauftragte Kirchenkreis Wolfsburg-Wittingen