Jugendliche / Foto: natureaddict/Pixabay

Jugendorganisationen sind entsetzt!
Wolfsburg (WB/Stadtjugenring Wolfsburg) - Die aktuelle Verordnung des Landes Niedersachsen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zeigt drei Sachen deutlich auf:


1. Kindern und Jugendlichen wird nicht zugetraut, sich an Regeln zu halten.
Der einzige Bereich, in dem pädagogische Fachkräfte die Aufsicht führen müssen, ist die Kinder- und Jugendarbeit. Man darf ja auch eine Hochzeit feiern, ohne dass geschultes
Personal die Einhaltung der Regeln überwacht oder Sport (im Verein) treiben, ohne dass die Anleiterin soziale Arbeit studiert hat. Zudem wurde bei der Vorstellung der Verordnung
deutlich gesagt, dass beispielsweise Heimvolkshochschulen wieder öffnen können, da dort ja keine Kinder und Jugendlichen sind.
2. Der Mensch ist Mittel. Punkt!
Kinder und Jugendliche sind dann relevant, wenn wir es ihren Eltern ermöglichen müssen, zu arbeiten oder wenn es um die Absolvierung von formalqualifizierenden Prüfungen geht.
Sozialisation und informelle Bildungsprozesse werden anscheinend als nebensächlich angesehen. „Wir fragen uns bereits jetzt, wie wir im kommenden Jahr den jungen Menschen
beibringen sollen, dass ihre Stimme wichtig ist und sie zur Wahl gehen sollen, um sich in der Demokratie zu beteiligen? Die vielfältigen Hinweise im Vorfeld der neuen Landesverordnung haben nicht dazu geführt, dass die Interessen von jungen Menschen im Land Niedersachsen auch tatsächlich vertreten werden“, so Christopher Donath, Vorsitzender.
3. Wie Kinder- und Jugendarbeit vor Ort abläuft, ist bei den Entscheider*innen nicht bekannt.
Die beiden Beschränkungen, die sonst an keiner Stelle zu finden sind, konterkarieren Jugendarbeit vor Ort: Die maximale Gruppengröße von 10 Personen bedeutet nun an vielen
Stellen, dass häufig einige wenige Kinder aus den Gruppen nicht teilnehmen können. In der Schule darf man sich aber mit mehr als 10 Personen im Klassenraum aufhalten? Wo ist dort
nun der Unterschied?

„Jugendarbeit wird in größten Teil ehrenamtlich getragen und bildet einen demokratischen Stützpfeiler der Gesellschaft. Wir leben von dem großartigen Engagement von hunderten von Jugendleitungen, die sich Woche für Woche ehrenamtlich um die Belange von Kindern und Jugendlichen kümmern. Diese werden mit der aktuellen Verordnung entmündigt und können ihre Angebote in keinster Weise durchführen!“ so Donath weiter. Wenn jemand beispielsweise eine Juleica-Ausbildung, für die sich das Land so gerne rühmt, mitgemacht hat und seit vielen Jahren eine Gruppe leitet, jetzt nicht mehr aktiv sein kann, ist das schon bitter und nicht nachvollziehbar.