Jugendpfleger Gunnar Czimczik und Katharina Varga, Leiterin des Geschäftsbereichs Jugend / Fotos: Stadt Wolfsburg

Jugend (wieder) Raum geben
Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Junge Menschen sind in den letzten Wochen nahezu vollständig aus dem öffentlichen Leben und dem öffentlichen Raum verschwunden. Um ihnen wieder Raum zu geben, wird die Jugendförderung der Stadt Wolfsburg die Jugendzentren ab dem 02.06.2020 schrittweise unter Beachtung der geltenden Landesverordnung zu Corona wieder öffnen.


Nach mehr als acht Wochen sollen nun auch junge Menschen wieder die Möglichkeit bekommen, selbstbestimmt Kontakte zu Gleichaltrigen zu pflegen, die bestehenden Jugendorte aktiv aufzusuchen und die Freiräume abseits des Elternhauses oder der Schule zu nutzen. Ab kommenden Dienstag, den 02.06.2020, können sich bis zu neun Jugendliche gleichzeitig wieder in den Jugendzentren treffen und aufhalten.

Geöffnet werden das Jugendzentrum ASS (Vorsfelde), Jugendhaus X-trem (Mitte-West), Jugendhaus Forsthaus (Fallersleben), Jugendzentrum FlipFlop im Bürgerzentrum (Reislingen), Jugendclub des Mehrgenerationenhauses (Nordstadt), Jugendzentrum Haltestelle (Stadtmitte), Freizeitzentrum Detmerode und das FBZ in Westhagen. Auch die drei Wolfsburger Abenteuerspielplätze in Fallersleben, Westhagen und Vorsfelde-Wendschott öffnen ihre Außengelände wieder für ihre Stammbesucher*innen.

"Es ist wirklich an der Zeit, dass sich Jugendliche wieder an ihren angestammten Treffpunkten außerhalb der elterlichen Wohnung treffen können", findet Katharina Varga, Leiterin des Geschäftsbereichs Jugend. Auch Stadtjugendpfleger Gunnar Czimczik freut sich, dass die "Viruszwangspause" der Kinder- und Jugendarbeit in Wolfsburg nun zumindest in Teilen beendet werden kann.

Die Mitarbeiter*innen der Jugendförderung haben sich in den vergangenen Wochen intensiv auf die Öffnungen vorbereitet. So hat jede Einrichtung ein individuelles Hygienekonzept erstellt, um eine reibungslose und unkomplizierte Öffnung unter Beachtung der Corona-Regeln zu ermöglichen.
Stadträtin Iris Bothe mahnt erneut an, dass die Interessen und Bedürfnisse von Jugendlichen im Zuge der Lockerung von Beschränkungen immer noch zu wenig berücksichtigt werden: "Ich wünsche mir, dass Land und Bund der nachwachsenden Generation mehr Vertrauen entgegenbringen würden. Kinder und Jugendliche und die etablierten Strukturen sowie Infrastruktur der Kinder- und Jugendarbeit dürfen am Ende nicht die Verlierer*innen der Krise sein."

Der Geschäftsbereich Jugend ist mit der Wolfsburger Kinder- und Jugendarbeit bereit für den Neustart. Neben Kleingruppen- und Kreativangeboten ist auch die Unterstützung von Home-Schooling in Form von "Co-Working-Spaces" für Schüler*innen weiterhin im Angebot.

Aber nicht alle Angebote können unter den aktuellen Rahmenbedingungen wieder hochgefahren werden. Die Jugendtreffs Tanklager, Loud&Proud und Diversity bleiben weiterhin geschlossen, ebenso können weiterhin keine Gruppenstunden der Pfadfinder*innen oder der Jugendfeuerwehren stattfinden.

Die Verordnung des Landes Niedersachsen vom 22.05.2020 öffnet bisher keine Möglichkeit für Angebote der ehrenamtlich verantworteten Kinder- und Jugendarbeit der Vereine und Verbände sowie für die Wolfsburger Jugendtreffs in freier Trägerschaft. Aktuell sind bis auf weiteres gruppenbezogene und offene Angebote der Jugendarbeit nur dann erlaubt, wenn sie von pädagogischen Fachkräften beaufsichtigt werden. In den Wolfsburger Jugendorganisationen sind rund 400 gut qualifizierte ehrenamtliche Juleica-Inhaber*innen aktiv, es gibt aber nur wenige durch die Stadt Wolfsburg oder die Dachverbände der Jugendverbände finanzierte pädagogische Fachkräfte. Die ehrenamtlichen Jugendleiter*innen der Wolfsburger Vereine und Verbände und Teamer*innen in den Jugendtreffs sind es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen und auf Kinder und Jugendliche aufzupassen. Vor der Corona-Pandemie haben sie regelmäßig Gruppenstunden geleitet, (internationale) Ferienfreizeiten geplant und durchgeführt oder Jugendtreffs geöffnet, ohne das hauptberufliche pädagogische Fachkräfte dabei waren. Eine Wiederaufnahme dieser Angebote wird unter diesen Vorzeichen daher aktuell nicht möglich sein. "Dies ist sowohl für die Kinder und Jugendlichen, die gerne an den Angeboten teilnehmen möchten, als auch für die Jugendleiter*innen eine wirklich große Enttäuschung", so Jugendpfleger Gunnar Czimczik.