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Laut IHKLW-Umfrage rechnen fast zwei Drittel mit einem Personalabbau, insbesondere Reisebüros und -veranstalter
Lüneburg/Wolfsburg (WB/IHKLW) - Die Corona-Pandemie hat auch für die Tourismusbranche im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) schwerwiegende Auswirkungen: Der Konjunkturklimaindex ist seit der letzten Saisonumfrage im Herbst von 142 Punkten auf 46 Punkte eingebrochen. Das zeigt die aktuelle IHKLW-Umfrage unter 111 Unternehmen aus Hotellerie, Gastronomie und Campingwirtschaft sowie Reisebüros und Reiseveranstaltern.

 

„Die Tourismuswirtschaft wurde besonders tiefgreifend und langanhaltend von der Corona-Pandemie getroffen. Die neue Überbrückungshilfe des Bundes für die Monate Juni, Juli und August, ist für viele Betriebe ein Rettungsanker. Doch die Hilfen können nur dann Wirkung entfalten, wenn ihnen nicht zeitgleich Rückzahlungsforderungen der zuvor genutzten Corona-Soforthilfe Liquidität entziehen“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. „Denn mit dem geringen Geschäftsvolumen konnten noch gar keine Reserven aufgebaut werden. Wichtig ist daher, dass die Politik in Bund und Land schnell über einen Verzicht zur Rückzahlung der Corona-Hilfen entscheidet.“

Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass der IHKW-Saisonumfrage zufolge 90 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe davon ausgehen, dass sich die Geschäftslage in der nächsten Saison voraussichtlich verschlechtern wird. Nur 5 Prozent erwarten eine günstigere Geschäftslage. Selbst in der Campingbranche, der aktuell medial eine gute Entwicklung attestiert wird, überwiegt die Skepsis. Auch dort erwartet nur rund ein Drittel der Betriebe eine günstige Entwicklung, 42 Prozent gehen davon aus, dass sich die Lage verschlechtert.

Um Liquiditätsengpässe und ausbleibende Einnahmen überbrücken zu können, haben 85 Prozent der Unternehmen Soforthilfe beantragt, fast die Hälfte benötigt nach eigener Aussage weitere finanzielle Hilfen. Knapp 62 Prozent der befragten Unternehmen wollen in der nächsten Saison Personal abbauen, 57 Prozent planen derzeit keine Investitionen. „Es fehlt der Glaube an Chancen und Zukunft. Die sehr zurückhaltenden Investitionsplanungen sind natürlich nachvollziehbar – aber kein gutes Signal“, so Zeinert.

Sorge bereitet den Unternehmen auch die Preisentwicklung im Tourismusmarkt. Nur 22 Prozent der Befragten erwarten, dass die Preise in der nächsten Saison steigen werden. Das sind nicht einmal halb so viele wie in der letzten Umfrage. Weitere 28 Prozent erwarten fallende Preise. Vor allem bei Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätzen geht ein Drittel der Befragten von fallenden Preisen aus.

Noch drastischer ist die Situation für Reisebüros und Reiseveranstalter, der Konjunkturklimaindex brach von zuletzt 117 auf 0 Punkte ein. Die zurückliegende Saison bewerten zwar drei Viertel der Unternehmen als gut, allerdings erwarten alle an der Umfrage beteiligten Betriebe jetzt eine schlechtere Entwicklung. Das wirkt sich auch auf die Investitionsplanung aus: 80 Prozent gaben an, keine Investitionen zu planen. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) geht davon aus, Stellen abbauen zu müssen. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen 91 Prozent mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent. In Bezug auf die Corona-Pandemie gaben 69 Prozent an, weitere finanzielle Hilfen zu benötigen.