Niklas Roy vor der Upcycling-Installation / Foto: resch

Eine Installation die Geschichten erzählt, obwohl sie gar nicht sprechen kann ...
Wolfsburg (WB/resch) - Es war so eine Art kleine Vorpremiere für das Digital Festival Phaenomenale, die gestern im phaeno stattfand. Die im phaeno entstandene Upcycling-Installation, die ein Beitrag des paheno zur Phaenomenale ist, wurde erstmals in Gang gesetzt. Es ist eine Murmelbahn die interaktiv gesteuert werden kann.

Im Juni wurde der erste Aufruf des phaeno zum Sammeln von altem Spielzeug für eine künstlerische Installation veröffentlicht. Diesem Aufruf folgen viele phaeno-FreundeI und die beiden Künstler Niklas Roy und Felix Fisgus hatten gemeinsam mit Dr. Christof Börner, der erklärt hatte: „Wir suchen altes Spielzeug, das nur darauf wartet, wieder eingesetzt zu werden“, eine große Aufgabe. Es stellte sich heraus, dass man gemeinsam schwer zu tun hatte, die vielen Spielsachen zu sichten und zu sortieren um dann mit der Arbeit zu beginnen zu können.

An den Wochenenden wurden sie von jungen und auch nicht mehr ganz jungen, aber in jedem Fall sehr kreativen Besuchern tatkräftig unterstützt. Die Aufgabe war es, eine Installation zu entwickeln, die im Rahmen der Phaenomenale2020 – smart culture festival vom 24.9.-1.10.2020 zu sehen sein wird. Den finanziellen Background dieser Idee bilden Fördergelder der Stadt Wolfsburg für digitale kulturelle Projekte. So wurde es möglich dieses Projekt überhaupt umzusetzen.

Computer resch

Natürlich spielen auch Computer eine Rolle / Foto: resch

Die beiden Künstler Niklas und Felix wollen  gemeinsam mit den Besuchern etwas Neues erschaffen. Die vielen ganz unterschiedlichen Spielsachen werden dabei ein kinetisches Kunstwerk bilden, das mit den Smartphones der Besucher steuerbar ist. Jede neue Kombination der gewählten Laufbahn bilden, bzw. erzählen dann immer wieder eine ganz neue, ganz andere Geschichte. Der Hund bellt, er freut sich und wedelt mit dem Schwanz, dabei stößt er das Feuerwehrauto an, die Sirene ertönt … oder die Geschichte fängt eben ganz anders an …
Die Murmel das ist hier der kleine rote Ball, der sich seinen Weg durch das Labyrinth bahnt, er löst Lichtschranken aus und damit wird jeweils eine kleine Szenerie auf der Bahn in Bewegung gesetzt. Die Reihenfolge ist mit Weichen vom Betrachter per Handy steuerbar, deshalb gibt es immer neue Bahnverläufe.

Niklas Roy ist sicher einigen phaeno-Besuchern noch bekannt. Er hatte mit seinem „Riesenflipper“ in der Flipperausstellung „Ausgeflippt ! “ 2015 im phaeno für Aufsehen gesorgt. Sein Anliegen: Die Verbindung von Kunst und Technik.
Einen sehr ähnlichen Ansatz verfolgt einer der Workshop-Teilnehmer: Wolfgang Kowar, ein Künstler aus Burgdorf. Sein Grundmaterial sind Plakate. Plakate die in vielen Schichten übereinander auf den Litfaßsäulen ihre Werbebotschaften in die Welt riefen. Aus dieses Abschälungen schafft er ganz neue Werke, mit völlig anderen Aussagen, einer ganz speziellen Optik und vielfältigen Reizen. Er fand so großen Gefallen an der Idee der Installation, dass er zu einem gern gesehenen Gast und Helfer im phaeno wurde. Er findet es faszinierend, dass erst beim Tun nach und nach klar wird, was letztlich entsteht. Es ist nicht vorhersehbar, die Inspiration lässt das Projekt wachsen und entstehen. Dass letztlich alles elektronisch verbunden wird und einem Programm folgt, ist das Faszinierende an der Geschichte, sorry an den vielen Geschichten. Denn letztlich ist die Installation eine „Geschichtenerzählmaschine“.


Kran reschUm auch viele Sichtweisen der Kinder im Projekt zu verankern, sind die Macher der Installation in die Grundschule am See in Groß Twülpstedt gegangen. Dort sollten die Grundschüler anhand der unterschiedlichen gesammelten Spielsachen kleine Szenen, kleine Geschichten in einem Bild zu Papier bringen. Einige dieser Anregungen sind direkt in das Projekt eingeflossen und bilden jetzt einzelne Situationen in der Installation. Um alles reibungslos funktionieren zu lassen, war jede Menge Programmierarbeit notwendig, die unsichtbar die richtigen Befehle erteilt und die Basis des gesamten Projekts bildet.

Junge reschPhaenochef Michel Junge bedankte sich bei allen Beteiligten und drückte seine Freude darüber aus, dass hier ein Projekt mit intensiver Bürgerbeteiligung entstanden ist, in dem gemeinsam nach Lösungen gesucht wurde und ganz viele Ideen eingeflossen sind, die am Ende zu einer Installation wurden, mit der viele Besucher spielen sollen und jede Menge Spaß und Freude daran haben.
Die Steuerung der Projekts, das im Ideenforum seinen Platz hat, erfolgt per WLAN und es wird direkt an der Upcycling-Installation Hinweise geben, wie die Steuerung per Handy erfolgt. Bleibt nur noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Bahn während des Wolfsburger Digital Festivals Phaenomenale 2020 vom 24. September bis 1. Oktober zu sehen sein wird.
Und natürlich allen Besuchern ganz viel Spaß mit den interaktiv gesteuerten, maschinenerzählten Murmelbahngeschichten!