Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen fällt auf -0,8 (10,0) Milliarden Euro; im sonstigen betrieblichen Ergebnis werden dabei Fair-Value-Bewertungen auf Derivate außerhalb des Hedge Accounting (insbesondere Rohstoffsicherungen) sowie Währungseinflüsse in Höhe von -0,9 Milliarden Euro durch einen nicht liquiditätswirksamen Ertrag von 0,8 Milliarden Euro aus der Einbringung der AID in das Joint Venture mit Ford zu autonomem Fahren nahezu ausgeglichen
Umsatzerlöse des Konzerns sinken um 23,2 Prozent auf 96,1 Milliarden Euro
Auslieferungen mit 3,9 (5,4) Millionen Fahrzeugen um 27,4 Prozent unter Vorjahr – prozentualer Rückstand zum Vorjahresmonat verringert sich seit Mai kontinuierlich
Netto-Liquidität im Automobilbereich steigt gegenüber Q1 um 0,9 Milliarden Euro auf 18,7 Milliarden Euro; erfolgreiche Platzierung einer Hybridanleihe stärkt Kapitalausstattung
Entlastung des Working Capital durch striktes Vorratsmanagement
Ergebnis vor Steuern liegt bei -1,4 (9,6) Milliarden Euro
Hauptversammlung findet am 30. September 2020 statt; Dividendenvorschlag angepasst, verbleibender Bilanzgewinn wird auf neue Rechnung vorgetragen
Wolfsburg (WB/Volkswagen Group News) - Das Geschäft des Volkswagen Konzerns und seiner Marken war im ersten Halbjahr 2020 stark von der Covid-19-Pandemie beeinträchtigt.

Frühzeitig eingeleitete Gegenmaßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung waren erfolgreich und verringerten so die Auswirkungen der Krise. Der Konzern erreichte durch eine konsequent an der Kundennachfrage ausgerichtete Produktion ein striktes Vorratsmanagement und dadurch eine signifikante Entlastung des Working Capital. Insgesamt konnte die Netto-Liquidität im Automobilbereich - auch mittels der Begebung einer Hybridanleihe über 3,0 Milliarden Euro - gegenüber dem ersten Quartal 2020 um 0,9 Milliarden Euro auf 18,7 Milliarden Euro gesteigert werden. Die Auslieferungen an Kunden gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27,4 Prozent auf 3,9 (5,4) Millionen Fahrzeuge zurück. Die Umsatzerlöse sanken in der Folge um 23,2 Prozent auf 96,1 (125,2) Milliarden Euro. Das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen betrug -0,8 (10,0) Milliarden Euro. Der wesentliche Faktor für diese Entwicklung war der Absatzrückgang infolge des starken Absinkens der Kundennachfrage. Fair-Value-Bewertungen auf Derivate außerhalb des Hedge Accounting (insbesondere Rohstoffsicherungen) sowie Währungseinflüsse in Höhe von -0,9 Milliarden Euro wurden durch den nicht liquiditätswirksamen Ertrag von 0,8 Milliarden Euro aus der Einbringung der Autonomous Intelligent Driving (AID) in das Joint Venture mit Ford zu autonomem Fahren nahezu ausgeglichen. Sondereinflüsse aus der Dieselkrise belasteten das Operative Ergebnis mit -0,7 (-1,0) Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern sank auf -1,4 (9,6) Milliarden Euro.

Frank Witter, Konzernvorstand für Finanzen und IT, sagte: „Das erste Halbjahr 2020 war durch die Covid-19-Pandemie eines der herausforderndsten in unserer Unternehmensgeschichte. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner hat nach wie vor oberste Priorität. Mit unserem 100-Punkte-Plan für maximalen Gesundheitsschutz haben wir beispielsweise bestmögliche Voraussetzungen für eine sichere Arbeitsumgebung geschaffen. Gleichzeitig haben wir frühzeitig umfassende Maßnahmen zur Senkung unserer Kosten und Sicherung der Liquidität eingeleitet. Damit ist es uns gelungen, die Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft einigermaßen in Grenzen zu halten. Mit einer tollen Teamleistung haben wir den Konzern schrittweise wieder hochgefahren und bislang stabil durch diese beispiellose Krise gesteuert. Aufgrund des positiven Trends unseres Geschäfts in den letzten Wochen und der Einführung zahlreicher attraktiver Modelle blicken wir vorsichtig optimistisch auf das zweite Halbjahr.“

Prozentualer Rückstand der Auslieferungen zum Vorjahresmonat sinkt seit Mai kontinuierlich

Der Volkswagen Konzern verzeichnete bis Ende Juni einen starken Rückgang seiner Auslieferungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 27,4 Prozent auf 3,9 (5,4) Millionen Fahrzeuge. In einem pandemiebedingt stärker rückläufigen Gesamtmarkt konnte der Konzern jedoch seinen globalen Pkw-Marktanteil ausbauen. Nachdem die Auslieferungen im April rund 45 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen hatten, verringerte sich der Rückstand kontinuierlich auf noch rund 18 Prozent im Juni. Ein Grund dafür war die Erholung in Westeuropa, dem Heimatmarkt des Konzerns. Hier lagen die Auslieferungen im Mai noch rund 57 Prozent unter dem Vorjahr, im Juni waren es rund 30 Prozent. Im Juli hat sich die Erholung der Märkte weiter fortgesetzt. Der Konzern rechnet daher damit, das seine Auslieferungen in diesem Monat nur noch um einen einstelligen Prozentwert unter dem Vorjahresmonat liegen werden. Für das zweite Halbjahr wird insgesamt mit einer weiteren Erholung der Märkte gerechnet.

Netto-Liquidität im Automobilbereich gegenüber Q1 gestiegen

Die Netto-Liquidität im Automobilbereich ist von 17,8 Milliarden Euro Ende März auf 18,7 Milliarden Euro Ende Juni gestiegen. Neben den umfassenden Maßnahmen zur Liquiditätssicherung trug dazu auch die erfolgreiche Platzierung einer Hybridanleihe über 3,0 Milliarden Euro bei. Der Netto-Cash-flow des Automobilbereichs lag mit -4,8 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 5,6 Milliarden Euro. Die Forschungs- und Entwicklungskosten lagen im ersten Halbjahr mit 6,7 (7,0) Milliarden Euro um 4,8 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Die F&E-Quote stieg dennoch aufgrund des Umsatzrückgangs auf 8,7 (6,6) Prozent. Die Sachinvestitionen im Konzernbereich Automobile konnten deutlich um 20,6 Prozent auf 4,1 (5,2) Milliarden Euro gesenkt werden. Die Sachinvestitionsquote stieg trotzdem durch die pandemiebedingt geringeren Umsatzerlöse auf 5,4 (4,9) Prozent.

Weiter positives Operatives Ergebnis für Gesamtjahr erwartet

Der Volkswagen Konzern geht davon aus, dass die Auslieferungen an Kunden im Jahr 2020 infolge der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie deutlich unter dem Wert des Vorjahres liegen werden. Herausforderungen ergeben sich zudem insbesondere aus der steigenden Wettbewerbsintensität, volatilen Rohstoff- und Devisenmärkten sowie aus verschärften emissionsbezogenen Anforderungen. Infolge der Covid-19-Pandemie werden im Jahr 2020 die Umsatzerlöse des Volkswagen Konzerns voraussichtlich deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Insgesamt rechnet der Volkswagen Konzern für das Jahr 2020 mit einem im Vorjahresvergleich gravierend rückläufigen, aber insgesamt positiven Operativen Ergebnis (vor und inklusive Sondereinflüssen).

Die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung (F&E) sowie die Sachinvestitionen werden in ihrer absoluten Höhe deutlich unter denen des Jahres 2019 liegen. Die F&E-Quote und die Sachinvestitionsquote des Automobilbereichs werden in 2020 aufgrund nachfragebedingt deutlich rückläufiger Umsatzerlöse über denen des Vorjahres liegen. Infolge der geringeren Kundennachfrage, weiterer Auszahlungen als Folge der Dieselkrise sowie von Liquiditätsabflüssen aus Mergers & Acquisitions-Aktivitäten wird für das Jahr 2020 mit einem unter dem Vorjahreswert liegenden Netto-Cash-flow im Automobilbereich gerechnet. Infolgedessen wird auch die Netto-Liquidität im Automobilbereich das Vorjahresniveau unterschreiten. Die Kapitalrendite (RoI) wird ergebnisbedingt unter dem Vorjahreswert und unter dem definierten Mindestverzinsungsanspruch an das investierte Vermögen in Höhe von 9 Prozent erwartet.

Marken und Geschäftsfelder

Die Marke Volkswagen Pkw setzte im Zeitraum Januar bis Juni dieses Jahres 1,1 (1,9) Millionen Fahrzeuge ab; das waren 39,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Entgegen dem Trend konnte der T-Cross erfreulicherweise dennoch Zuwächse verzeichnen, auch der Atlas Cross Sport war sehr beliebt. Die Umsatzerlöse gingen um 35,3 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro zurück. Das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen verschlechterte sich auf -1,5 (2,3) Milliarden Euro. Geringere Fixkosten und eine verbesserte Preispositionierung konnten die Belastungen aus dem Volumenrückgang infolge der Covid-19-Pandemie nicht ausgleichen. Aus der Dieselthematik ergaben sich im Berichtszeitraum Sondereinflüsse in Höhe von -0,6 (-0,4) Milliarden Euro.

In den ersten sechs Monaten 2020 ging der Absatz der Marke Audi auf weltweit 416.000 (632.000) Fahrzeuge zurück. Weitere 271.000 (258.000) Audi Fahrzeuge wurden über das chinesische Joint Venture FAW-Volkswagen veräußert. Eine steigende Nachfrage verzeichneten die Modelle Q3, A6 und e-tron. Die Umsatzerlöse gaben auf 20,5 (28,8) Milliarden Euro nach. Das Operative Ergebnis (im laufenden Jahr vor Sondereinflüssen) lag bei -643 Millionen Euro (2,3 Milliarden Euro). Der Volumenrückgang, Belastungen aus der Bewertung von Rohstoffsicherungsgeschäften und Derivaten sowie negative Währungseffekte und gestiegene Verkaufshilfen wirkten belastend. Reduzierte Fix- und Entwicklungskosten und der Entkonsolidierungseffekt aus dem Verkauf der AID wirkten dem entgegen. Im ersten Halbjahr 2020 ergaben sich aus der Dieselthematik Sondereinflüsse in Höhe von -0,1 Milliarden Euro. In den Finanzkennzahlen der Marke Audi sind die Marken Lamborghini und Ducati enthalten. Lamborghini setzte im Berichtszeitraum 3.604 (4.710) Fahrzeuge ab und Ducati 22.790 (33.315) Motorräder.

Die Marke ŠKODA setzte in der ersten Hälfte dieses Jahres 372.000 Fahrzeuge ab und lag damit um 33,6 Prozent unter dem Vergleichswert von 2019. Die SUVs Kodiaq und Karoq sowie die neuen Modelle Scala und Kamiq waren bei den Kunden besonders beliebt. Die Umsatzerlöse gingen auf 7,5 (10,2) Milliarden Euro, das Operative Ergebnis auf 228 (824) Millionen Euro zurück. Die Belastungen aus Volumensituation, Wechselkursentwicklung und emissionsbezogenen Aufwendungen konnten nicht durch Produktkostenoptimierungen sowie geringere Fix- und Entwicklungskosten kompensiert werden.

Im Berichtszeitraum belief sich der Absatz der Marke SEAT auf 197.000 Fahrzeuge; ein Rückgang von 46,9 Prozent gegenüber Vorjahr. Die SUV-Modelle Arona und Ateca sowie der Leon wurden stark nachgefragt. Mit 3,7 Milliarden Euro fielen die Umsatzerlöse um 40,2 Prozent geringer aus als ein Jahr zuvor. Das Operative Ergebnis sank auf -271 (216) Millionen Euro, was im Wesentlichen aus dem pandemiebedingten Volumenrückgang sowie emissionsbezogenen Aufwendungen resultierte.

Der Absatz der Marke Bentley lag im ersten Halbjahr 2020 bei 4.569 (4.670) Fahrzeugen. Die Umsatzerlöse verbesserten sich mixbedingt auf 860 (835) Millionen Euro. Infolge höherer Abschreibungen sowie Einmalaufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen ging das Operative Ergebnis auf -99 (57) Millionen Euro zurück.

Porsche Automobile verzeichnete im Zeitraum Januar bis Juni 2020 einen Absatz von weltweit 116.000 Fahrzeugen; ein Minus von 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Umsatzerlöse beliefen sich 11,2 (12,2) Milliarden Euro. Infolge des geringeren Fahrzeugabsatzes sowie aufgrund von Kostensteigerungen insbesondere für Digitalisierung und Elektrifizierung ging das Operative Ergebnis auf 1,1 (2,1) Milliarden Euro zurück. Außerdem wirkte die Währungsentwicklung negativ.

Der Absatz von Volkswagen Nutzfahrzeuge gab im ersten Halbjahr 2020 auf weltweit 157.000 (256.000) Fahrzeuge nach. Die Umsatzerlöse waren mit 4,2 Milliarden Euro um 34,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Das Operative Ergebnis sank auf -334 (506) Millionen Euro; es wurde im Wesentlichen durch den Volumenrückgang und die ab diesem Jahr geltenden CO2-Lenkungsabgaben belastet. Darüber hinaus wirkten höhere Vorleistungen und Abschreibungen für neue Produkte, Fixkostensteigerungen sowie ungünstigere Wechselkurse negativ, Produktkostenoptimierungen und Mixeffekte hingegen positiv.

In den ersten sechs Monaten 2020 verzeichnete Scania Vehicles and Services einen Absatz von 31.000 (52.000) Fahrzeugen. Die Umsatzerlöse lagen bei 5,3 (7,1) Milliarden Euro. Das Operative Ergebnis von Scania Vehicles and Services nahm auf 221 (828) Millionen Euro ab; der Rückgang war vor allem auf das geringere Volumen zurückzuführen. Dem standen Mixverbesserungen und geringere Fixkosten gegenüber.

MAN Nutzfahrzeuge setzte im Zeitraum Januar bis Juni dieses Jahres 47.000 Einheiten ab und verfehlte damit den Vergleichswert 2019 um 34,1 Prozent. Die Umsatzerlöse gaben auf 4,7 (6,3) Milliarden Euro nach. Das Operative Ergebnis ging auf -423 (248) Millionen Euro zurück. Belastend wirkten im Wesentlichen der Volumenrückgang bei Neu- und Gebrauchtfahrzeugen sowie Kosten im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Lkw-Generation.

In den ersten sechs Monaten 2020 erzielte Power Engineering Umsatzerlöse in Höhe von 1,8 (1,9) Milliarden Euro. Das Operative Ergebnis sank volumen- und kostenbedingt auf 21 (42) Millionen Euro, Mixveränderungen führten zu einem positiven Effekt.

Im Finanzierungs-, Leasing-, Service- und Versicherungsgeschäft der Volkswagen Finanzdienstleistungen wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres 3,4 (4,1) Millionen neue Verträge abgeschlossen (-17,4 Prozent). Am 30. Juni 2020 lag der Gesamtvertragsbestand bei 21,3 Millionen Kontrakten; das waren 0,9 Prozent weniger als am Jahresende 2019. Das Operative Ergebnis gab in den ersten sechs Monaten 2020 auf 1,2 (1,3) Milliarden Euro nach.

Hauptversammlung findet am 30. September 2020 statt, Dividendenvorschlag angepasst

Volkswagen hat den 30. September 2020 als neuen Termin für die ordentliche Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2019 festgelegt. Nachdem die ursprünglich für den Mai geplante Hauptversammlung aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus verschoben wurde, wird auch die Durchführung im September nicht in der gewohnten Weise stattfinden können. Zum Schutz der Gesundheit von Aktionären, Mitarbeitern und Dienstleistern wird die Hauptversammlung in diesem Jahr virtuell durchgeführt. Zeitgleich mit dem neuen Termin hat die Verwaltung auch einen geänderten Gewinnverwendungsvorschlag vorgelegt. Von den massiven Beeinträchtigungen in sämtlichen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens durch die Covid-19-Pandemie ist auch der Volkswagen Konzern weltweit betroffen. Angesichts des Umfangs und des Ausmaßes sowie der nach wie vor nicht verlässlich einschätzbaren weiteren Entwicklung haben Vorstand und Aufsichtsrat entschieden, der Hauptversammlung nunmehr eine Dividende von 4,80 Euro je Stammaktie und 4,86 Euro je Vorzugsaktie vorzuschlagen. Damit passt die Verwaltung der Gesellschaft den bisher für das Geschäftsjahr 2019 angekündigten Gewinnverwendungsvorschlag von ursprünglich bei 6,50 Euro je Stammaktie und 6,56 Euro je Vorzugsaktie an. Der verbleibende Bilanzgewinn von 855 Millionen Euro wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die Volkswagen AG hält unverändert an der Zielsetzung fest, eine Ausschüttungsquote von mindestens 30 Prozent zu erreichen.